Wenn dir mitten im Kurs-Launch die Puste ausgeht…

Nachdem ich meinen Online-Technikkurs  als Selbstlernkurs umgestellt hatte und nicht mehr als begleiteten Gruppenkurs, entschied ich mich im Frühjahr relativ spontan wieder um, im Frühsommer meinen Kurs doch noch einmal als begleiteten Gruppenkurs  mir Kurs-Launch zu starten.

Das bedeutete natürlich, dass es einen guten Kurs-Launch geben muss. Hierzu hatte ich jede Menge Ideen aus meiner eigenen Erfahrung und durch den Austausch mit tollen Menschen um mich herum. Ich machte einen Zeitplan, schrieb lange Blogartikel zum Thema, plante meine Webinare, fing an diese zu bewerben und hatte eine lange, lange Liste mit Dingen, die ich umsetzen wollte, damit mein Kurs richtig erfolgreich wird. Noch erfolgreicher, als in der letzten Runde, in der ich 26 tolle Teilnehmer gewonnen habe.

Natürlich machte mich ich mir auch Gedanken zum Kursstart, denn darauf basierte mein kompletter Zeitplan und entschied mich schließlich für Mitte Juni. Später wollte ich nicht loslegen, um nicht völlig in die Urlaubszeit rein zu rutschen.

Planung ist alles, oder nicht?

Ich war sehr stolz auf meinen Zeitplan, die vielen guten Ideen für den Kurs-Launch und legte los. Es freute mich unglaublich, dass sich mehr und mehr Menschen für meine Webinare anmelden und ich habe meine Ziele sogar noch ein Stückchen erhöht. Zum gleichen Zeitpunkt hat sich ein anderes Kundenprojekt zeitlich stark verändert. Das war nicht sofort absehbar, daher dachte ich, dass sich beides ohne Probleme parallel umsetzen kann.

Ich hab mich total getäuscht.

Das Kundenprojekt wurde von Woche zu Woche umfangreicher und hat den größten Teil meiner zeitlichen Kapazitäten beansprucht. Da es natürlich eine Deadline gab und ich dann schon mittendrin steckte, wollte ich das Projekt nicht abbrechen. Also habe ich meinen Launch, für den ich 80 % meiner Zeit geplant hatte, neben einem Projekt, das plötzlich 50 h in der Woche beansprucht hat weitergeführt. Relativ schnell bemerkte ich, dass mir das viel zu viel ist.

Ich arbeitete, arbeitete und arbeitete.

Egal ob Tag, Abend, Nacht oder am Wochenende. Da meine Reserven eh nicht so gut gefüllt waren, hat es nicht lange gedauert, bis ich auch körperliche Auswirkungen gemerkt habe. Ich konnte kaum noch schlafen, hatte immer Kopfschmerzen und fühlte mich völlig ausgebrannt und am Ende.

Mein Stolz hat es mir verboten, dass Kundenprojekt abzubrechen oder nur noch mit halber Kraft zu fahren. Ich trieb mich immer weiter. Gleichzeitig ging es immer schlechter. Irgendwann war ich kurz davor, meinen Kurs-Launch abzubrechen. Ich hatte die Kraft verloren. Doch dann kam wieder meinen Trotz und ich habe mich weiter und weiter getrieben. Schließlich hatte ich zu dem Zeitpunkt doch schon zwei Kursbuchungen und über 100 Anmeldungen für die Webinare. Da kann ich doch nicht einfach abbrechen.

Also habe ich weitergemacht, bis ich heulend vor dem Laptop saß.

An einem Webinar-Tag hatte ich vormittags noch einen Interviewtermin. Auch hier war ich kurz davor, das Interview abzusagen, weil ich wusste, dass ich nicht motiviert und positiv über mein online Business sprechen kann. Aber das kann ich doch nicht machen. Es ist schließlich eine tolle Chance, wenn mich jemand interviewen möchte. Also starteten wir das Skype-Interview, bis ich nach 2 min heulend vor meinem Laptop saß und das Interview abbrach. Es ging einfach nicht.

Obwohl ich meine Interviewerin bis zu diesem Tag kaum kannte, brach es in diesem Moment aus mir heraus und ich erzählte ihr, wie es mir wirklich geht. Sie war ganz toll und ich bin ich unglaublich dankbar für dieses Gespräch. Trotzdem habe ich nicht auf sie gehört und mein Webinar am gleichen Abend oder sogar meinem ganzen Kurs-Launch abgesagt. Das kann ich doch nicht machen.

Am Abend machte ich das Webinar. Ich hatte das Gefühl, dass das letzte bisschen Kraft mein Körper verlässt. Während des Webinars kam es mir plötzlich so vor, als ob ich mir selber zuschaue. Ich habe mir überlegt, was jetzt passieren würde, wenn ich einfach mitten im Webinar auf „Aufnahme beenden“ klicke und alles abbreche. Aber ich habe es nicht getan. Das kann ich doch nicht machen.

Ich beschloss schließlich, meinen Kurs-Launch mit Minimalaufwand weiterzuführen. Wer schon mal einen Online-Kurs gelaunched hat weiß, dass auch ein kleiner Launch mit jeder Menge Arbeit verbunden ist. Meine ganzen tollen neuen Ideen hatte ich eh schon auf Eis gelegt.

Merkt Facebook, wie fertig ich bin?

Das hört sich jetzt sehr seltsam an, aber ich merkte, je weniger Kraft ich hatte, desto weniger Resultate bekam ich auf meine Facebook-Ads und die Webinar-Anmeldungen. Als ob Facebook merkt, dass ich nicht mehr mit vollem Elan launche. Als ob durch meine fehlende Kraft auch mein Marketing nicht mehr so viel Kraft hat. Wenn ich das jetzt so lese, hört es sich immer noch völlig strange an, aber genauso kam es mir vor.

Es ging gar nichts mehr.

In der Woche, in der mein Online-Kurs gestartet ist, war auch das Kundenprojekt fast zu Ende. Ungefähr sechs Wochen lief beides volle Power nebeneinander her. Ich habe ganz tolle Teilnehmer in meinem Kurs. Nicht so viele, wie ich geplant hatte, aber genau die richtigen.

Am Tag, an dem ich mein erstes Modul veröffentlicht habe, bin ich komplett zusammengeklappt. Es ging nichts mehr – gar nichts mehr. Heute habe ich noch immer mit den Nachwirkungen zu kämpfen. Das Gefühl, völlig ausgebrannt zu sein, ist immer noch nicht weg, aber es ist deutlich schwächer geworden. Die letzten Wochen habe ich tatsächlich sehr wenig gearbeitet auch, wenn ich die ersten zwei Wochen dachte: Das kannst du doch nicht machen. Doch. Ich kann und ich muss.

Was ich unglaublich erschreckend fand in der Zeit ist, dass wenn ich mich manchmal mit jemandem ausgetauscht habe und ein Bruchteil davon erzählt habe, wie es mir geht, dass ich dann ganz oft zu hören bekommen habe, dass es demjenigen genauso geht. Ein lieber Kollege schrieb mir: „Ich habe das Gefühl, ich ertrinke. Das kennst du, oder?“ Ja, das kenne ich. Leider. Ich hätte aber nie gedacht, dass es ihm auch so geht.

Aber warum machen wir das? Warum mache ich das? Warum setzen wir uns selber so unter Druck? Ist es nur die Angst, vergessen zu werden, wenn nicht jeden Tag mindestens einmal etwas gepostet wird und mindestens einen Blogbeitrag pro Woche geschrieben wird? Ich mache mir diesen Druck ganz alleine. Niemand anders zwingt mich.

[Tweet “Warum setzen wir uns selber so unter Druck? Ist es nur die Angst, vergessen zu werden, wenn nicht jeden Tag mindestens einmal etwas gepostet wird und mindestens einen Blogbeitrag pro Woche geschrieben wird?”]

Besonders schön fand ich in dem Zusammenhang ein Kommentar zur einem Facebook-Post auf meiner Seite:
zitat vergessen

Trotzdem liebe ich, was ich tue.

Das möchte ich aber auch weiterhin. Es hat mir sehr zu denken gegeben, dass die Themen, die mich eigentlich begeistern plötzlich nur noch eine große Leere in mir hervorgerufen haben. Jede kleine E-Mail fand ich anstrengend.

Es wird besser. Ich habe wieder Lust auf neue Dinge und freue mich darauf. Trotzdem lasse ich es jetzt langsam angehen und werkel im Hintergrund vor mich hin. Ganz in Ruhe. Du wirst den Sommer über immer wieder von mir lesen oder hören. Mal öfter, mal seltener, mal sehen.

Von Herzen alles Gute und pass auf dich auf!

Bis bald.

Simone Weissenbach

 

 

PS: Auch Claudia Kauscheder mit ihrem Beitrag zu meiner Blogparade Online-Kurse hat mit Weil es nicht passt! Ein Online-Kurs wird erwachsen einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema Kurs-Launch geschrieben, ebenso Stephanie Mertens mit ihrem Artikel Launch, Challenge und Co.

 

 

 

 

 

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