Zunächst einmal keine Sorge. Dein ganzes Wissen muss und soll gar nicht in ein einziges Training. 😉 Ich zeige dir hier eine Methode, wie du deine Trainingsinhalte in nicht mal einer halben Stunde auswählen kannst.

Denkst du darüber nach, aus deinem Wissen ein Online-Training zu entwickeln? Hast du es vielleicht schon mal versucht? Dann ist es dir möglicherweise auch so gegangen, dass du den sprichwörtlichen Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen hast. 🙂

Gerade wenn du Experte in deinem Gebiet bist, ist es umso schwieriger, all dein Wissen so zu strukturieren und zu organisieren, dass du damit ein gutes Online-Training aufbauen kannst. Ich stelle dir hier eine einfache Strategie vor, die dir hilft, deine Inhalte zu ordnen und nicht an der Informationsflut zu verzweifeln. Egal, was dein Thema ist, kannst du diese Methode anwenden.

Die Methode

Die Strategie basiert auf der sog. MindMap-Methode, die ich dann noch ein paar Schritte erweitert habe. Von der MindMap-Methode hast du vielleicht schon mal gehört. Wenn nicht, macht das gar nichts, denn die Methode ist ganz schnell erklärt:

Dein Hauptthema steht in der Mitte. Von da aus laufen alle Unterthemen wie Äste davon weg, die sich dann immer weiter in kleinere Zweige aufgliedern. Das Außergewöhnliche dieser Methode ist, dass Ideen und Stichworte auf diesem Weg nicht nacheinander aufgeschrieben werden, sondern gleich in ihren Zusammenhängen visualisiert werden. Genau das ist es, was dir dann die Auswahl der relevanten Trainingsinhalte unglaublich vereinfacht.

Hört sich kompliziert an? Keine Sorge, ist es gar nicht. Ich zeige dir das mal an einem Beispiel. Nehmen wir mal an, dein Fachgebiet ist die Erstellung von „Trainings“.

Magst du gleich mitmachen? Dann nimm ein leeres Blatt, mindestens in der Größe DIN A4, besser ist DIN A3. Kleb einfach zwei A4 Blätter mit Tesafilm zusammen 😉 .Bleistift, Radiergummi, einen schwarzen Filzstift und ein paar Buntstifte.

1. Lege das Blatt quer vor dich hin. Schreibe oder male dein Thema in die Mitte des Blattes. Im ersten Schritt nehme ich immer einen Bleistift, damit ich leichter noch Änderungen machen kann. Bei mir das das Thema der Platzaufteilung auf dem Blatt immer so eine Sache 😉

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2. Nun gehen von deinem Hauptthema untergeordnete Äste ab, also deine Unterthemen. Diese schreibst du auf die Äste.

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3. Jetzt wirst du bei den Hauptästen noch präziser und brichst die Themen weiter herunter. Jeder Nebenzweig ist ein neues Unterthema. Du musst nicht der Reihe nach vorgehen. Ergänze immer da, wo dir etwas Neues einfällt. Meistens fällt einem nämlich mal hier und mal da was ein und eben nicht genau der Reihe nach.3-1

Ich empfehle dir, maximal sieben Hauptthemen. Welche großen Bereiche gehören zu deinem Thema? Die Hauptthemen kannst du oft über die W-Fragen bilden: Wer? Was? Wie? Wann? Wo? Warum? Womit?

Keine Sorge, wenn es am Anfang mehr sind. Vielleicht kannst du später noch mehr zusammenfassen. Je nach Thema machen 2-4 Unterebenen Sinn. Wenn es zu komplex oder umfangreich wird, würde ich eher eine eigene MindMap für das Thema entwickeln. Aber im Moment geht es erstmal um die Grobstruktur. Wenn die Seitenaufteilung passt und du alles, was dir so einfällt, untergebracht hast, kannst du wenn du magst die Map mit einem schwarzen Filzstift nachzeichnen. Das würde ich allerdings nur dann machen, wenn du sie für später aufheben möchtest. Für eine erste Strukturierung reicht der Bleistift völlig aus und geht auch viel schneller.

4. Auch hier gilt „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Nutze Bilder oder Symbole um die wichtigen Begriffe zu unterstützen. Keine Sorge, dass muss nicht schön sein 😉 . Du kannst gerne auch Bilder aufkleben. Das ist vor allem eine tolle Sache, wenn du die MindMap auch für später aufheben möchtest.
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5. Jetzt kannst du noch Farben nutzen, um Themen auch optisch abzugrenzen und übersichtlicher zu gestalten. Ich bin ein sehr visueller Typ und mag es, wenn ich Zusammenhänge im wahrsten Sinne des Wortes „auf einen Blick“ sehe.

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6. Hängen einzelne Themen über die Äste hinweg mit anderen zusammen, dann kannst du diese durch Linien zusätzlich verbinden.

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Jetzt solltest du eine recht gute thematische Übersicht deines Themas haben. Schau nochmal, ob dir noch irgendetwas fehlt. Jetzt hast du eine MindMap zu deinem Thema. Für die Auswahl deiner Trainingsinhalte gehen wir jetzt noch ein paar Schritte weiter.

Die Auswahl der Trainingsinhalte

Die Auswahl deiner Trainingsinhalte hängt davon ab, was die Ziele deines Trainings sind. Eigentlich logisch 😉 Möchtest du über deinen Bereich einen Gesamtüberblick vermitteln? Sollen bestimmte Unterthemen in die Tiefe gehend bearbeitet werden? Bietest du ein einzelnes Training oder ein Trainingsprogramm, das aus mehreren Modulen besteht, an?

7. Ist es dein Trainingsziel für Neulinge einen Gesamtüberblick über dein Thema zu geben, wählst du z.B. alle Hauptzweige und jeweils den ersten Unterzweig.

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8. Möchtest du ein Thema in die Tiefe behandeln entscheidest du dich für einen Hauptzweig und alle dazugehörigen Unterzweige, z.B. das Thema Trainingsgestaltung. Natürlich kannst du auch noch tiefer ins Detail gehen, dann nimmst du dir beispielsweise nur das Thema „Gruppenarbeiten“ raus und gehst dann weiter mit Arten von Gruppenarbeiten, Voraussetzungen, Vorteile, Nachteile, Aufgabenstellungen, Auswertungen,…

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9. Bei einem mehrmoduligen Trainingsprogramm macht es Sinn, als erstes den groben Gesamtüberblick über das Thema zu geben (alle Hauptzweige) und dann der Reihe nach die Äste in die Tiefe zu erarbeiten.

10. Auf diesem Weg erhältst du die Grobstruktur deines Trainings. Je nachdem, wer deine Zielgruppe ist, welche zeitliche Planung du verfolgst und was dein Trainingsziel ist, kannst du nun die Stichworte mit Erläuterungen, Beispielen, Methoden, usw. füllen. Wenn nötig kannst du noch weiter in die Tiefe gehen, aber nur, wenn es wirklich sinnvoll ist. Et voilá!

Noch ein Tipp zum Schluss: Gerade am Anfang neigt man schnell dazu, viel zu viele Inhalte in ein Training zu packen. Reduziere die Inhalte lieber und hole dir nach deinem ersten Probelauf eine Rückmeldung von deinen Teilnehmern. Nachsteuern und ergänzen kannst du immer noch.

Es gibt im Netz einige kostenlose Tools zur Erstellung von MindMaps. Einfach mal googlen. Diese MindMaps haben den Vorteil, dass du noch nachträgliche Änderungen oder Verschiebungen einfügen kannst. Trotzdem finde ich persönlich handgeschriebene oder gemalte MindMaps schöner. Da bin ich noch old-school. 😉 Aber das ist Geschmackssache…

Hast du schon Erfahrung in der Zusammenstellung von Trainingsinhalten? Wie machst du das? Schreibe mir gerne deine Ideen in die Kommentare!

Hab viel Spaß und herzliche Grüße
Simone Weissenbach

PS2: Hier kannst du dir das Endergebnis vor der Themenauswahl (Mindmap 6) noch in höherer Auflösung runterladen, wenn du magst: http://simoneweissenbach.com/wp-content/uploads/2015/02/MindMap_6_hoheAuflösung.png