Warum ich in meinem schlechtesten Training am meisten gelernt habe

Schlechte Trainings und ihre Lehren | Simone Weissenbach

 

Mir ist das passiert, wovor sich wahrscheinlich jeder Trainer insgeheim fürchtet, auch wenn es die meisten irgendwann trifft. Ein Training mit vernichtenden Kritiken der Teilnehmer. Puh, das war hart! 🙁 Wie konnte das passieren?

Was war passiert?

Es ging um eine Trainingsreihe, die ich für dasselbe Unternehmen schon einmal durchgeführt hatte – mit sehr großem Erfolg. Nun war es Zeit für die Neuauflage. Im ersten Training handelte es sich um Führungsnachwuchskräfte. Alles lief richtig gut, die Rückmeldungen waren toll und ich freute mich schon auf die nächste Veranstaltung.

Jetzt sollte für eine andere Gruppe die Trainingsreihe wiederholt werden. Diesmal waren es Führungskräfte, die schon einige Jahre im Job sind. Der Personalleiter bat mich, ich sollte doch bitte alles genauso machen, wie bei der ersten Runde und nichts verändern. Schließlich seien die Themen Mitarbeitergespräch, Konfliktmanagement und Motivation für diese Gruppe genauso relevant. Nun gut. Klar. Mache ich.

Und dann?

Der erste Trainingstermin lief etwas schleppend, aber okay – bis zur Feedbackrunde. Nachdem eine Teilnehmerin losgelegt hatte, waren auch die anderen nicht mehr zu bremsen und es hagelte eine negative Rückmeldung nach der anderen. Ich hörte mir alles an, schluckte hart und wusste ausnahmsweise mal nicht, was ich sagen oder tun sollte. Immerhin konnte ich mir ein bisschen Professionalität bewahren, schluckte die aufsteigenden Tränen runter und bedankte mich für das Feedback.

Sobald ich alleine war, habe ich mir noch die ausgefüllten Feedbackbögen durchgesehen. Das dort die Rückmeldungen ähnlich schlecht aussahen, brauche ich wahrscheinlich nicht extra zu erwähnen, oder? Nun konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und die Tränen flossen. Erst war ich tiefenttäuscht, dann wurde ich richtig sauer. Erst auf mich, dann auf die Teilnehmer: Wie konnten die nur? Warum haben die denn vorher nichts gesagt? Das ist doch unfair!

Das war hart…

Ich gestehe, dass ich sehr lange gebraucht habe, die Kritik wegzustecken. Ehrlich gesagt hatte ich so etwas vorher auch noch nicht erlebt. Meine Trainingsrückmeldungen waren bisher immer sehr gut, im schlechten Fall mal nur ziemlich gut gewesen, aber tatsächlich noch nie schlecht. Trainings zu geben macht mir unheimlich großen Spaß. Das merken die Teilnehmer auch ganz schnell und lassen sich von mir mitreißen – normalerweise.

Das größte Problem für mich war, dass es noch zwei Trainings mit derselben Gruppe geben sollte. Das lag mir ziemlich im Magen. Es gab auch ein Gespräch mit dem Personalleiter, der nur meinte, dass die Gruppe etwas schwierig sei und ich sollte alles weitermachen wie geplant. Uff. Ne, das wollte ich nicht. Seit dem ersten Training waren mittlerweile zwei Monate vergangen. Da der nächste Termin in vier Wochen stattfinden sollte, musste ich mich nun mit dem Thema auseinandersetzen – ob ich wollte, oder nicht.

Kopf in den Sand stecken gilt nicht!

So fing ich endlich an mich ernsthaft zu fragen, was bei dem ersten Training so schiefgelaufen ist. Zu sagen, dass mir die Erkenntnis wie Schuppen von den Augen gefallen ist, wäre übertrieben, aber nach und nach lichtete sich der Nebel. Ich hatte einen der gravierendsten Fehler gemacht, den man als Trainer machen kann: ich habe viel zu wenig darauf geachtet, wer meine Zielgruppe ist und was diese Zielgruppe für Erwartungen an das Training hat.

Zu der Zeit hatte ich sehr viel zu tun, weswegen ich die Aussicht „einfach nochmal das gleiche Training machen und gutes Geld dafür verdienen“ toll fand. Ich hatte alle Warnsignale während des Trainings – und die gab es im Rückblick durchaus – ignoriert.

Eigentlich kein Wunder…

Mit dieser Einsicht habe ich mir nochmal die Rückmeldungen der Teilnehmer angeschaut. Auf einmal kamen mir die Rückmeldungen gar nicht mehr „gemein und unfair“ vor. Mir wurde deutlich, dass die Erwartungen der Teilnehmer völlig andere waren, als die Ziele, die ich mit dem Training verfolgt hatte. Mist. Das konnte ja nur schief gehen. Plötzlich war klar, warum die Bewertungen so schlecht waren. Da konnte ich den Teilnehmern nicht wirklich Vorwürfe machen. Das wäre mein Job als Trainer gewesen, das zu erkennen.

Entgegen der Order des Personalleiters fing ich also an, das zweite Training komplett umzuschmeißen. Ich versetzte mich immer wieder in die Zielgruppe und deren Erwartungen. Was brauchen diese Teilnehmer? Was bringt ihnen tatsächlich Nutzen? Nach einer Menge Arbeitsaufwand hatte ich schließlich ein neues Konzept.

Die WOW!- Erkenntnis

Ein paar Wochen später stand ich wieder vor der Gruppe – mit einem sehr flauen Gefühl im Magen. Und… Trommelwirbel…. Es lief richtig gut! 🙂 Ich war unglaublich erleichtert, denn das Ganze hat doch sehr an meinem Selbstbewusstsein genagt.

Im Nachhinein kann ich sagen, dass die Erfahrung äußerst unangenehm war, ich aber tatsächlich sehr viel daraus gelernt habe: ein Training kann noch zu gut konzipiert sein. Wenn es aber die Erwartungen der Zielgruppe nicht trifft und ihnen keinen oder zu wenig Nutzen bringt, dann kann es nur schief laufen.

Bei einem Online-Training, das du ja in der Regel einmal entwickelst, um es anschließend mehrfach zu verkaufen, ist es daher noch wichtiger, dass du dir vorab ganz genau überlegst, wer deine Idealkunden sind und was diese für Bedürfnisse haben. Richte dein Training dann genau auf diese Kunden aus, aber kommuniziere das auch dementsprechend. Also: Für wen ist dieses Training geeignet, für wen nicht? Was ist das Ziel deines Trainingsangebots? Je klarer du in deinen Aussagen bist, umso leichter erreichst du auch deine idealen Kunden und umso weniger negative Rückmeldungen wirst du bekommen.

Nach dieser Wow!-Erkenntnis habe ich mir Gedanken gemacht, welches meine 10 wichtigsten Tipps zur Erstellung erfolgreicher Online-Trainings für dich sind. Trage dich in meinen Newsletter ein, dann schicke ich sie dir zu und du verpasst auch künftig keine weiteren Tipps mehr, die dir dabei helfen, tolle erfolgreiche Online-Trainings selbst zu erstellen.

Welche Themen interessieren dich am meisten bei der Erstellung von Online-Trainings? Schreibe mir unten in die Kommentare. Ich freue mich auf deinen Input!

Herzliche Grüße

Simone Weissenbach

Simone
Follow me

Simone

Hier schreibt Simone Weissenbach für dich. Seit über 15 Jahren entwickelt Simone Online- und Offline Trainings und unterstützt andere dabei, den Weg vom Trainer zum Online-Trainer gemeinsam zu gehen. Digitale Produkte können eine geniale Alternative sein, auch oder gerade wenn du nicht mehr so kannst, wie du gerne willst.

Ihre Erfahrungen und Tipps gibt sie auf Simone Weissenbach I Gemeinsam vom Trainer zum Online-Trainer weiter.
Simone
Follow me

14 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Simone,
    das ist eine sehr gut geschriebener Blog-Artikel und hat mein „Trainerinnen-Herz“ auch berührt!!! Glückwunsch zur Veröffentlichung und den Start hier 🙂 Karen

  2. Ich finde dein Artikel packt jeden Coach oder Trainer, denn wer hat nicht Angst davor, dass einem so etwas passiert. Als Marketing-Studierte sehe ich zwar immer alles, was ich publiziere aus der Sicht der Zielgruppe, aber man sollte sich immer weiter verbessern. Problematisch ist es nämlich vor allem, wenn man in einer Gruppe unterschiedliche Zielgruppen hat. Ich starte am 1. März ein kostenloses Onlinetraining (http://www.onlinecoaching-center.com/jetzt-tue-ich-einmal-etwas-fuumlr-mich.html) und habe im Vorfeld schon bemerkt, dass da ganz unterschiedliche Frauen dabei sind, in Bezug auf das Alter, die Situation und vor allem auch die Grundstimmung. Es gibt da von sehr traurig bis gut drauf alles. Da wird es dann wirklich schwierig. Vielleicht kannst du dazu auch einmal etwas schreiben? Liebe Grüße und viel Erfolg! Heidi Polegek

    1. Liebe Heidi,
      danke für deine Rückmeldung! Ja, du hast absolut Recht. Programme, die für eine sehr breite Zielgruppe gedacht sind, sind tatsächlich schwierig, denn man möchte ja, dass möglichst viele einen großen Nutzen davon haben und nicht jeder nur ein kleines bisschen… Das Thema nehme ich mir gerne mal vor!

      Übrigens habe ich mich auch zu deinem Programm angemeldet und bin schon sehr gespannt! 🙂

      Herzliche Grüße nach Au und ein tolles Wochenende!
      Simone

  3. Liebe Simone,

    das deckt sich auch mit meinen Beobachtungen als Trainerin, dass gerade bei Wiederholungskursen dieselbe Achtsamkeit gefragt ist, was einem aber auch leicht aus dem Blick geraten kann. Besonders wie in dem von Dir erwähnten Fall, wo die Linie ja auch so genannt wurde. Böse Falle. 🙂 Das hast Du ja sehr gut gelöst. Und wenn das Fazit lautet, dass auch die Routine nicht zu Betriebsblindheit führen darf, kann ich mich dem nur anschliessen. Daher ist es gut, das immer mal wieder zu sagen und wieder sichtbar zu machen. Dankeschön.

    Liebe Grüße

    Stephanie Mertens

    1. Liebe Stephanie,

      ganz herzlichen Dank für dein Feedback.

      Ich habe zwar im Nachhinein echt viel aus dem Training gelernt, aber wenn ich daran zurückdenke, wird mir immer noch ganz flau im Magen…

      Liebe Grüße und ein tolles Wochenende!
      Simone

  4. Liebe Kollegin,
    sicherlich ist es ganz wichtig bei einer Ausschreibung eines Kurses einen „Idealkunden“ im Blick zu haben. Wenn dann aber das konkrete Seminar vorbereitet wird, ist es notwendig, sich mit der tatsächlichen Zielgruppe auseinanderzusetzen. Und das macht unsere Trainings, seien sie nun Präsenztrainings oder Online-Veranstaltungen, ja auch so abwechslungsreich und spannend, da wir es jedes Mal mit uns unbekannten Menschen zu tun haben.
    Weiterhin viel Erfolg,
    Beatrix

    1. Liebe Beatrix,

      definitiv! Spätestens, wenn das Seminar läuft ist es unbedingt notwendig, sich mit den tatsächlichen Teilnehmern zu beschäftigen.

      In der Seminarvorbereitung kenne ich sie oft noch nicht persönlich, da macht der „Idealteilnehmer“ für mich Sinn. Im Seminar sind dann die echten Teilnehmer auf jeden Fall dem fiktiven Idealteilnehmer vorzuziehen 😉 Vor allem, wenn ich dann feststelle, dass sie eben nicht „genau das Gleiche sind“.

      Die Unterschiedlichkeit der Menschen ist auch für mich eins der großen „warum“ ich liebe, was ich tue.

      Herzliche Grüße
      Simone

  5. liebe simone, vielen dank für diesen beitrag 🙂 es ist extrem wichtig, dass wir ganz genau wissen für wen wir welches online produkt/programm entwickeln, diese erfahrung habe ich auch gemacht.
    alles liebe, suraya

  6. Vielen Dank für den schönen Beitrag, liebe Simone.

    Erst wollte ich schreiben, dass ich das von Dir beschriebene Problemnicht habe, da ich explizit nur Seminare für hochsensible Menschen anbiete. Dann ist mir aber eingefallen, dass mein einziges echt schräg gelaufenes Seminar u.a. auch deswegen unglaublich schwierig war, weil die Teilnehmerinnen die Seminarbeschreibung offenbar nicht richtig gelesen hatten, in der deutlich stand: Für Fortgeschrittene. Statt dessen hatte ich dann lauter Anfängerinnen und 2 Fortgeschrittene und das sorgte dann wieder für unerfüllte Erwartungen …

    Liebe Grüße, Monika

  7. Hallo Simone,

    da hast Du ein gutes Vorbild geliefert. Denn es kann immer mal was schief gehen. Aber Du hast daraus gelernt, das Konzept nochmal angepasst, bist wieder aufgestanden und nochmal raus gegangen.

    Das zeichnet doch wirklich gute Trainer aus.
    Sie bewegen etwas bei den Teilnehmern oder sterben beim Versuch 🙂

    Viele Grüße,
    David

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.